Reutershagen

Reutershagen teilt sich in vier Ortsteile auf: Alt- Reutershagen, Reutershagen I und Reutershagen II sowie dem Komponistenviertel.

Kurzbiografie zur Entstehung des Stadtteils

30.Juni 1919 – die Bürgervertretung der Stadt Rostock stimmte der Vorlage „Betr: Kleinsiedlung Barnstorf- Bramow“ zu

14.Juli 1919- die Orte Barnstorf und Bramow wurden eingemeindet

29. Dezember 1919- die Stadtverordnetenversammlung genehmigte die Aufteilung der Siedlungsflächen, der Verkaufsvertrag wurde von der Stadtverwaltung gebilligt und der Oberbürgermeister erteilte die Weisung, den Verkauf vorzunehmen.

9. August 1920 die Hospitalverwaltung teilte mit, dass die Baukostenzuschüsse in den Vertrag aufzunehmen seien. Dies auf Bitten der Kaufinteressenten. (für 20 Häuser wurden je 2.400 Mark bewilligt).

1921- wurde der Name „Reutershagen“ vergeben. Möglich ist das Datum 13.4.1921-ab 1922 findet man erstmals Reutershagen in den Telefonbüchern von Rostock.

1922 -erstmals konnte man folgende Wege im Adressbuch mit dem Zusatz (Reutershagen) finden: Liningweg, Miningweg und Druwappelplatz

27.Februar 1922- erste amtliche Bezeichnung „Reutershagen“

1924- der Hawermannweg wird im Adressbuch der Stadt benannt, so wie auch der Hanne-Nüte-Weg.

1929- Genehmigung für den Bau einer Wasserleitung (Südteil Reutershagen)

1934 Grundsteinlegung für den nördlichen Teil der Hamburger Straße, Baubeginn am Hawermannweg bis zum Schwarzen Weg

Alt- Reutershagen

Die ersten Häuser entstanden um 1920/21 am Liningweg und am Druwappelplatz. Gebaut haben dort Familie Rummel und Familie am Liningweg 32-33 sowie Familie Weinberger und Familie Delling am Druwappelplatz 3-4. Herr Rummel schlug vor, diesen Ortsteil “ Rummelhagen “ zu nennen, da er nach seiner Ansicht der erste Bauherr war. Am Ende wurde sich auf Reutershagen geeinigt- nach dem bekannten Schriftsteller Fritz Reuter.

Somit kann die Gründung auf das Datum, den 13.4.1921 datiert werden. Der Name „Reutershagen“ wurde erstmals vergeben.

„Der Druwappelplatz wurde mit der Benennung von den Einwohnern mit einer Linde vor jedem Haus und einem Druwappelbaum im Mittelpunkt gestaltet. Von der Ursprungsbepflanzung sind noch zwei ca. 100 Jahre alte Linden erhalten. Daneben gibt es weitere ca. 50 Jahre alte Linden und diverse Bäume, die im Baumkataster der Stadt Rostock geführt werden. Dieser Baum spielt in dem Werk von Fritz Reuter eine große Rolle, genau so wie beiden Mädchen Mining und Lining.

Der Druwappel ist seit mehr als 400 Jahren beschrieben und gehört damit zu den ältesten nachgewiesenen Obstarten. Er war in Norddeutschland sehr verbreitet und ist heute selten und bedroht.“ Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Druwappelplatz

nach dem Bombenangriff 1942 wurde das Haus am Liningweg vollkommen zerstört.

Die Bilder stammen aus den privaten Fotoalben von Roswitha-Astrid Weinberger.

Diese Fotos stammen aus der Sammlung der Denkmalpflege in Rostock. Die Fotos sind 1956 im Rahmen der damaligen fotografischen Erfassung der Stadt entstanden. Deswegen ist auch ein Mann mit der Messlatte zu sehen.

„Im Juni 1919 beschloss die Rostocker Bürgerschaft den Bau einer Kleinsiedlung neben dem Dorf Schutow. Erste Planungen entstanden dazu bereits vor dem 1. Weltkrieg im Zuge der Gartenstadtbewegung. Die konkreten Entwürfe stammten von Stadtbaudirektor Berringer. Dabei sollte der Bräsigplatz an der Hamburger Straße das lebhafte Zentrum werden und der Druwappelplatz eine ruhige Verweilzone. Die Doppelhäuser wurden nach einem einheitlichen Schema errichtet und hatten hofseitig einen kleinen Stall für die Haltung von Schweinen, Ziegen und Federvieh. Daran schloss sich ein großer Garten an. Damit sollte die Eigenversorgung gesichert werden, während die Bewohner tagsüber in den benachbarten Industriebetrieben arbeiteten. 1922 waren bereits 39 Häuser bezogen, dann unterbrach die große Inflation die Bauarbeiten, die ursprüngliche Planung blieb unvollendet. Ab 1924 wurde am Hawermann- und Hanne-Nüte-Weg nach einem veränderten städtebaulichem Konzept weitergebaut. 1936 erreichte die Straßenbahn den Bräsigplatz.“*

Bis Reutershagen I gebaut wurde, gab es keine Unterscheidungen weil diese nicht notwendig waren. Ab da wurde Alt- Reutershagen in den Sprachgebrauch aufgenommen.

Zu Alt- Reutershagen zählen neben dem Druwappelplatz, An der Jägerbäk (dort fährt heute die Straßenbahn hoch zur Stadtautobahn), die Gartenkolonien hinter dem Schutower Kreuz, der Bräsigplatz und der Bräsigweg sowie der Eikbomweg und der Köster- Suhr Weg. (hinter der Kunsthalle, befindet sich heute auch die RSAG).

Bräsigplatz 1 ,Konsum Kaufhaus Schwarz

Diese Fotos entstanden 1956 im Rahmen der damaligen fotografischen Erfassung der Stadt. Deshalb ist auch der Mann mit der Messlatte zu sehen.

Das Komponistenviertel

Das Komponistenviertel findet sich heute von der Schweriner Straße, über die Tschaikowskistraße, die Joseph-Haydn Straße bis zur Kuphalstraße.**

Tschaikowskistraße,50er Jahre

Reutershagen I

Reutershagen I setzt sich aus verschiedenen Wohngebieten zusammen. Angefangen am Wiener Platz, über die Ulrich-von-Hutten Straße zur Goerdeler Straße bis hin zum Tiroler Hof. Reutershagen I wurde auf dem Gelände des ehemaligen Armeestaatsgutes Barnstorf gebaut. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten war dies der „Reichsacker“. Drei wesentliche Aspekte prägten die Entwicklung von Reutershagen I.

Reutershagen I von oben,2010. Zu sehen ist u.a.die Ernst- Thälmann Straße-bis zur Hamburger Straße
Das Hochhaus mit dem „Becher“

Für die Mitarbeiter der Heinkel- Flugzeugwerke, ARADO sowie für die Arbeiter in der Neptunwerft musste Wohnraum geschaffen werden. 1938 wurde das „Ostmärkische Viertel“, heute besser bekannt als „Wiener Platz“ gebaut. Danach wurde das Finnviertel gebaut.

Aufgrund der Bombardierungen Rostocks und den Zustrom von sogenannten reichsdeutschen Umsiedlern Anfang der 40er Jahre herrschte große Wohnungsnot in Rostock. Hinzu kamen 21.000 Flüchtlinge aus dem Osten Deutschlands, die untergebracht werden mussten. durch das Engagement der Warnowwerft wurde das Gipsviertel mit den Anhydrithäusern gebaut, die Grundsteinlegung fand am 5.8.1953 statt.

Ulrich-von-Hutten Straße***

Die Ulrich-von-Hutten Straße verlängert die Händelstraße von der Kuphalstraße bis zur Goerdelerstraße und nimmt eine zentrale Rolle in Reutershagen ein. Die Ernst-Thälmann Straße verläuft zwischen der Goerdelerstraße und der John-Schehr Straße und dieses Gebiert ist mit reinen Wohnhäusern bebaut. Nebenan entstanden auch mehrere Geschäfte, Gaststätten, eine Bibliothek, Kinderkaufhaus und ein Schuhladen.

Die Terrasse mit einem wunderbaren Blick

Ein Highlight war das „Cafè am Hochaus“. In diesem Haus wohnten überwiegend junge Familien. Da bot es sich an, auf der Terrasse des Hochhauses ein Tanzgaststätte zu eröffnen. Aufgrund von Beschwerden über andauernde Lärmbelästigungen wurde die Tanzgaststätte geschlossen, auch die Bar musste ihren Betrieb einstellen.

Ulrich-von-Hutten Straße in den50er Jahren (Foto:St.Jutzas)

Die John-Schehr Straße verbindet die Ulrich- von-Hutten Straße mit der Schulenburgstraße.

Blick von der Schulenburgstraße auf die Clara-Zetkin Straße

Die John-Schehr Straße hat als besonderes Merkmal die “ Türmchenschule“.Zu sehen sind die Aufnahmen von der Türmchenschule im April 1956. 1956 wurde die Schule eröffnet und am 8. Mai 1965 erhielt sie den Namen “ John-Schehr“, 1990 wurde die Schule dann wieder in „Türmchenschule“ geändert und diesen Namen trägt sie heute immer noch.

rechts befindet sich heute der Hort , die Turnhalle und die Aula sind noch eingerüstet
Rückseite der Anton- Saefkow- Straße

der Konsum

Reutershagen II

Der Anlaufpunkt seit Jahr´ und Tag: der Markt Reutershagen. Ein beliebter Treffpunkt, nicht nur für Diejenigen, die auf den Bus warten.

Peter Jänicke, ehemaliger OBR-Vorsitzender beschreibt in einem persönlichen Bericht die Entstehung und Weiterentwicklung des Marktes.

„Unser Markt hat in den vergangenen Jahrzehnten eine bemerkenswerte Entwicklung erfahren. Als ich mit Frau und Kind im Spätsommer 1961 in Reutershagen II meine Wohnung beziehen konnte, in der wir auch heute noch leben, war der heutige Markt als große Fläche zwar erkennbar, war aber belegt und bebaut mit Baracken der Bau- Union, Lagerflächen für Baumaterialien, Maschinen, Kiosken usw.. Bei Regenwetter waren Gummistiefel die beste Fußbekleidung. Erste Wohnblöcke und Verkaufseinrichtungen waren am Rande der Marktfläche bereits seit Ende der 50-er Jahre vorhanden und wurden im Laufe der Jahre zahlreicher.

der Markt, 1984
der einstige Barackenkomplex, jetzt befindet sich dort die Reuterpassage

Blick vom Markt in die Ulrich-von-Hutten Straße 1960

Busse im Nahverkehrs hatten ihre Haltestellen zunächst in Reutershagen I. Sie wurden bald auf den Markt verlegt. Bei der ersten größeren Umgestaltung der Marktfläche wurde der Busausstieg auf die Mitte des Platzes gelegt, während der Einstieg (wie heute) vor der 1962 fertiggestellten Post war.

Auf der Marktfläche gab es Parkplätze für Privat- PKW, Warteplätze der Linienbusse, Marktstände für Verkäufer von Lebensmitteln, Blumen, Textilien usw.. Um den Markt herum waren inzwischen weitere Wohnblöcke, ein Ledigenwohnheim, eine Ladenstraße, eine Toilette für Busfahrer und Markthändler entstanden. Insgesamt machte der Markt aber einen wenig geordneten und unfreundlichen Eindruck, sodass Ortsbeirat und Ortsamt nach der Wende die Neugestaltung des Marktes einforderten, um die eingetretenen Veränderungen besser zu berücksichtigen: Mit dem Bau und der Nutzung der Reuterpassage ab 1999 entstand eine neue Situation.

der Markt mit Blick in die Etkar-Andrè Straße

Auf einer Stadtrundfahrt mit Oberbürgermeister Methling im Sommer 2009 wurden die notwendigen Veränderungen am und auf dem Markt durch Ortsbeirat und Ortsamt intensiv diskutiert. Danach begannen in der Stadtverwaltung Vorbereitungsarbeiten zur Umgestaltung des Marktes und der Ortsbeirat hat über mehrere Jahre in seinen öffentlichen Sitzungen umfangreiche Diskussionen zur Gestaltung des Marktes durchgeführt. Dabei wurden die jetzt vorhandene Gliederung des Marktes, der separate Buswarteplatz, neue Ein-und Ausstiegsregelungen, Händlerbereiche, Plätze durch Bäume, Sträucher und Sitzbänke besprochen.

In der Zeit von 2016-2017 erfolgte die Marktumgestaltung, die mit Unbequemlichkeiten, Lärm und Staub verbunden war. Daran schloss sich die Umwandlung der Kreuzung der Goerdeler-/Ulrich-von-Hutten Straße im Zeitraum 2018-2019 an. Da ich auch Autofahrer bin, freue ich mich über den nun staufreien und zügigen Verkehr um den Kreisverkehr und bei Sonnenschein ist ein Aufenthalt auf den Bänken des Marktes durchaus interessant und entspannend. Unser Markt ist jetzt sehr sehenswert und lädt zum Besuchen ein. Auf ihm ist immer ein reges Leben auf vielen Gebieten.“ (Peter Jänicke)

Die Etkar-Andre Straße entsteht
1959/60 Bonhoeffer Straße ( früher die Wilhelm Florin Straße)

*Quellen:

G.W. Berringer: Stadterweiterungen und Siedlungen. In: Deutschlands Städtebau: Rostock, Dari-Verlag, Berlin, 1922

Reutershagen in Bildern und Geschichten

WIRO aktuell 2/02; S.4; Rostock 2002

Zusammengestellt: Peter Writschan, 11/2015

**Reutershagen in Bildern und Geschichten 2. Auflage

Fotos von Stephan Jutzas, Monika Spörck, Dirk Auerbach, Günther Stümann, Steffi Brock, Hartmuth P. ,Adelheid Priebe, Sabine H. und vielen anderen, die nicht genannt werden möchten.